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Kaffee und dein Bauch – was eine neue Studie über unser Lieblingsgetränk verrät

  • Praxis Bernot
  • vor 12 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Morgens die erste Tasse Kaffee – für viele der schönste Moment des Tages. Aber was passiert eigentlich in deinem Körper, wenn du regelmäßig Kaffee trinkst? Eine brandneue Studie aus dem Jahr 2026, erschienen im renommierten Wissenschaftsjournal Nature Communications, hat genau das untersucht – und die Ergebnisse sind überraschend.


Was haben die Forscher gemacht?

62 gesunde Erwachsene wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: regelmäßige Kaffeetrinker und Menschen, die gar keinen Kaffee trinken.  Es wurden verschiedene Baseline Werte genommen und dann musten die Kaffeetrinker zwei Wochen lang komplett auf Kaffee verzichten – und anschließend entweder koffeinhaltigen oder entkoffeinierten Kaffee wieder einführen. Dabei wurde wieder alles gemessen: der Stuhl (ja, wirklich!), Blut, Urin, und die Teilnehmer mussten Kognitionstests machen.


Das Mikrobiom – dein innerer Garten

Das Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Bakterien, die in deinem Darm leben – mehrere Milliarden winzige Mitbewohner, die eine riesige Rolle für deine Gesundheit spielen. Man kann es sich vorstellen wie einen Garten: manche Pflanzen sind nützlich, manche weniger. Kaffee verändert diesen Garten ganz gezielt.

Bei Kaffeetrinkern fanden sich bestimmte Bakterienarten häufiger – darunter Cryptobacterium curtum und Eggerthella-Spezies. Klingt abstrakt, ist aber relevant: Diese Bakterien scheinen direkt auf Kaffee zu reagieren, denn sobald die Teilnehmer keinen Kaffee mehr tranken, nahmen sie wieder ab. Und als Kaffee wieder eingeführt wurde – egal ob mit oder ohne Koffein – veränderte sich der Bakterienhaushalt innerhalb weniger Tage.


Die Darm-Hirn-Achse – dein Bauch denkt mit

Vielleicht hast du schon mal gehört: „Der Darm ist das zweite Gehirn." Das ist keine Metapher, sondern Wissenschaft. Darm und Gehirn sind über Nervenbahnen, Hormone und Botenstoffe direkt miteinander verbunden – Forscher nennen das die Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse.

Was die Studie hier gefunden hat, ist besonders spannend: Kaffeetrinker hatten im Darm weniger von bestimmten Botenstoffen, die das Gehirn beeinflussen – nämlich weniger GABA (ein beruhigender Neurotransmitter, also ein chemischer Botenstoff im Nervensystem) und weniger Indol-3-Propionsäure (eine Substanz, die aus der Verdauung von Eiweiß entsteht und offenbar die Kognition, also unser Denken und Erinnern, unterstützt).

Kurz gesagt: Kaffee verändert nicht nur, wie wir uns fühlen – er verändert auch die Chemie, die zwischen Darm und Gehirn ausgetauscht wird.


Kaffeetrinker vs. Nicht-Kaffeetrinker: Wer hat die Nase vorn?

Kaffeetrinker zeigten in Tests mehr Impulsivität (also die Neigung, schnell und ohne langes Nachdenken zu handeln) und stärkere emotionale Reaktivität (intensivere Gefühlsreaktionen) – das war ihr normaler Alltag mit Kaffee. Nicht-Kaffeetrinker schnitten bei Gedächtnistests besser ab.

Während der zwei Wochen Abstinenz wurden die Kaffeetrinker ruhiger: Impulsivität und emotionale Reaktivität sanken – was man von einem Stimulanzientzug erwarten würde. Was die Studie dann aber überrascht: Nach der Wiedereinführung von Kaffee – auch dem koffeinhaltigen – sanken diese Werte nochmals weiter. Wer Kaffee wieder trank, war also ruhiger als während des Entzugs. Das deutet darauf hin, dass andere Inhaltsstoffe im Kaffee aktiv beruhigend wirken – und diesen Effekt sogar gegen das Stimulans Koffein durchsetzen.


Was ist mit Entzündung?

Kaffeetrinker hatten niedrigere Werte von CRP – das ist ein Entzündungsmarker im Blut, der steigt, wenn der Körper kämpft. Gleichzeitig hatten sie mehr IL-10, ein entzündungshemmendes Signal des Immunsystems. Als die Teilnehmer auf Kaffee verzichteten, stiegen die Entzündungsmarker wieder. Kaffee scheint also – durch seine Pflanzenstoffe (sogenannte Polyphenole) – eine gewisse entzündungshemmende Wirkung zu haben.


Was bedeutet das für dich?

Kaffee ist kein Wundermittel – aber auch kein Feind. Die Studie zeigt: Kaffee wirkt tief in deinen Körper hinein, beeinflusst Bakterien, Botenstoffe und Immunsystem. Und viele dieser Effekte kommen gar nicht vom Koffein allein, sondern von den vielen anderen Pflanzenstoffen im Kaffee.

Was wir daraus mitnehmen: Wer regelmäßig Kaffee trinkt, verändert aktiv sein inneres Ökosystem. Das kann vorteilhaft sein – wenn der Rest des Lebensstils stimmt. Wer merkt, dass Kaffee Unruhe, Schlafprobleme oder Bauchbeschwerden verursacht, sollte ehrlich schauen, ob die positiven Effekte wirklich überwiegen.


In unserer Praxis schauen wir uns genau das an – den ganzen Menschen, nicht nur die Tasse.


Kontakt

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Quelle: Nature Communications (2026), DOI: 10.1038/s41467-026-71264-8

 
 
 

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