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Warum dein Körper beim Abnehmen auf die Bremse tritt

  • Praxis Bernot
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Zuerst war es doch so schön...

Am Anfang ging es fast von allein. Weniger Portionen, etwas mehr Bewegung – die Waage gab nach. Und dann, nach ein paar Wochen, steht sie. Du machst nichts anders, isst nicht mehr, bewegst dich nicht weniger, und trotzdem tut sich nichts. Das ist kein Versagen. Es ist die logischste Reaktion, die dein Körper haben kann.

Denn ein Plateau ist selten eine einzelne Ursache. Ein kleinerer Körper verbraucht schlicht weniger – und der Rückgang ist erstaunlich groß.

In einer sorgfältig überwachten Studie sank der tägliche Energieverbrauch nach drei Monaten Diät um rund 450 bis 630 Kalorien, je nachdem, wie streng gekürzt wurde. Ein Teil davon ist zu erwarten, weil ein leichterer Körper weniger kostet. Ein Teil aber geht darüber hinaus – der Körper drosselt aktiv, mehr als das reine Gewicht erklärt. Die alte Kalorienmenge, die früher ein Defizit war, ist damit irgendwann fast schon dein Bedarf.


Hormone andere Widrigkeiten

Dazu kommt die Hormonlage. Nach längerem Verzicht sinkt das Sättigungshormon Leptin, das Hungerhormon Ghrelin steigt. Du bist nach der gleichen Mahlzeit weniger satt und denkst mehr ans Essen – und das Durchhalten wird über Monate messbar schwerer, nicht leichter. Das ist Biologie, nicht Willensschwäche.

Zwei weitere Dinge kommen leise dazu. Viele Menschen bewegen sich unter Restriktion unbewusst weniger – weniger Schritte, mehr Sitzen, kaum spürbar; in einer Übersichtsarbeit zeigte sich dieser Effekt gerade bei denen am stärksten, die am meisten abgenommen hatten. Und oft ist das Plateau gar keins: Die Waage zeigt auch Wasser, Verdauung, Zyklus. Fett kann weiter schwinden, während die Zahl steht. Wie stark jeder dieser Faktoren wirkt, ist individuell und nicht sauber trennbar – die Richtung aber ist klar: Der Körper adaptiert. Er verteidigt sich gegen den Mangel.


Sicht der TCM

Genau hier denkt die chinesische Medizin seit Jahrhunderten. Sie sieht den Körper nicht als Rechenmaschine, sondern als ein System, das nach Gleichgewicht strebt und Reserven schützt. Verantwortlich für das Umwandeln von Nahrung in nutzbare Kraft ist in diesem Bild die  (Milz) – gemeint ist nicht das Organ der westlichen Anatomie, sondern eine Funktion: die Mitte, die aus Essen Energie macht. Ein harter, dauerhafter Verzicht ist aus dieser Sicht kein cleveres Antreiben, sondern ein Auszehren der Mitte. Der Körper antwortet, wie er auf jeden Mangel antwortet: Er fährt herunter und spart. Die 450 bis 630 eingesparten Kalorien sind, in dieser Sprache, nichts anderes als die Mitte, die sich schützt.

Und der wachsende Hunger? Den ordnet die TCM dem Zusammenspiel von Gān (Leber) und Magen zu. Anspannung, Stress und Selbstdisziplin stauen das Leber- – und dieser Stau drängt zum Magen, wo er sich als Heißhunger und Unruhe zeigt. Was die Studien als Hormonverschiebung messen, beschreibt die TCM als ein aus dem Fluss geratenes System. Zwei Sprachen, dieselbe Beobachtung: Der Körper wehrt sich, und er tut es klug.


Was nehmen wir daraus mit?

Was daraus folgt, ist weniger „mehr kämpfen" als „anders arbeiten":

  • Iss regelmäßig und warm. Ausgelassene Mahlzeiten und rohe, kalte Kost belasten die Mitte zusätzlich. Gekochtes, warmes Essen zu festen Zeiten entlastet sie.

  • Halte die Mitte, statt sie auszuhungern. Extreme Defizite triggern genau die Gegenreaktion, die dich ausbremst. Moderat und stetig schlägt hart und kurz.

  • Bewege dich sanft und konstant. Spazieren, Qigong, leichtes Training – regelmäßig statt erschöpfend. Auszehrende Einheiten verstärken das Energiesparen.

  • Nimm Stress als Teil der Gleichung ernst. Was das Leber-Qi entspannt – Schlaf, Pausen, weniger Druck – dämpft den Heißhunger oft mehr als jede Verbotsliste.

  • Miss dich nicht an einer Zahl. Umfang, Kraft, Energie, Schlaf sagen mehr als die Waage an einem einzelnen Morgen. Die TCM hat noch nie einen Menschen an einem einzigen Wert festgemacht – sie liest das ganze Muster.


Ein Plateau ist also kein Grund für Panik und erst recht kein Beweis, dass „nichts wirkt". Es ist ein Signal, dass dein Körper sich angepasst hat – und dass der Weg jetzt über das System läuft, nicht über noch mehr Verzicht. Wo genau bei dir die Mitte schwächelt, das Leber-Qi staut oder schlicht die Erwartung nicht zur Biologie passt, lässt sich nicht pauschal sagen.


Wenn du merkst, dass du dich seit Wochen abmühst und der Körper einfach nicht mitzieht, schauen wir uns dein Muster gemeinsam an – und ordnen ein, was Ernährung, was Bewegung und was ärztliche Abklärung ist.


Kontakt

Praxis Bernot

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Quellen

  • Redman L.M. et al. (2009). Metabolic and Behavioral Compensations in Response to Caloric Restriction: Implications for the Maintenance of Weight Loss. PLOS One. doi.org/10.1371/journal.pone.0004377

  • Shai I. et al. (2008). Weight Loss with a Low-Carbohydrate, Mediterranean, or Low-Fat Diet. NEJM. doi.org/10.1056/NEJMoa0708681

  • Silva A.M. et al. (2018). Effect of diet and/or exercise interventions on behavioural compensation in non-exercise physical activity… a systematic review. British Journal of Nutrition.

 
 
 

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